Koordinationskreis
Stoppt die Mauer in Palästina
Selbstverständnis
Für einen gerechten Frieden in Palästina
und Israel
Inhaltliche Basis für die Arbeit des Koordinationskreises
sind:
Selbstverständnis (Stand: April 2005)
Ziele
Wir arbeiten für einen gerechten Frieden in Palästina und Israel. Zusammen
mit palästinensischen und israelischen Friedens- und Menschenrechtsorganisationen
treten wir für ein Ende der Besatzung ein. Der Mauerbau in den besetzten
palästinensischen Gebieten ist ein weiterer eklatanter Völkerrechtsverstoß und
ein neues gigantisches Hindernis zum Frieden.
Zusammen mit der palästinensischen „Kampagne gegen die Apartheid-Mauer“ fordern
wir:
- den sofortigen Baustopp der Mauer
- den Abbau aller schon gebauten Anlagen
- die Rückgabe des Landes und die Entschädigung für Ernteausfälle und
andere durch den Mauerbau entstandene Schäden
Die palästinensische „Kampagne gegen die Apartheid-Mauer“ ist im Oktober
2002 entstanden, kurz nachdem die israelische Regierung den Mauerbau
in Palästina begonnen hatte. Zahlreiche Organisationen und rund 50 Komitees,
die in den Gemeinden entlang der Mauer gegen Landnahme, Rodung und Bebauung
kämpfen, sind in ihr zusammen geschlossen.
Kampagnenarbeit
Unsere bisherigen Aktivitäten:
- Ein bundesweites Bündnis aus der Friedensbewegung und Bewegung für
internationale Solidarität verabschiedete am 17. Januar 2004 die Kölner
Erklärung „Den Mauerbau unverzüglich stoppen!“ und beschloss eine
internationale Konferenz zu diesem Thema
- Internationale Konferenz „Stop the Wall“ am 5. Juni 2004 in Köln
mit über 300 Teilnehmenden, Referenten aus Palästina und Israel und
einer Abschlusserklärung (Webseite
der Konferenz)
- Aktionstag am 25. September 2004 anlässlich des Jahrestages der Intifada
mit Demonstrationen und Kundgebungen in Köln, Hamburg, Berlin Magdeburg,
Stuttgart, Frankfurt u.a. (Aufruf)
- Regionale Veranstaltungen anlässlich des von der UN erklärten „Internationalen
Tags der Solidarität mit dem palästinensischen Volk“ am 29. November
2004
- Vortrags-Rundreise von Jamal Juma, Koordinator der Palästinensischen
Graswurzel-Kampagne gegen die Apartheid-Mauer (Palestinian grassroots
Anti-Apartheid Wall Campaign) vom 13. bis 17. Dezember 2004 mit Veranstaltungen
in Frankfurt/Main, Stuttgart, Berlin, Hamburg und Köln
Geplante Aktionen
Folgende Aktivitäten werden derzeit vom Koordinationskreis geplant:
- Öffentlichkeitsarbeit zum Urteil des Internationalen Gerichtshofs
- Bewusstseinsbildung zur Auswirkung der Mauer auf PalästinenserInnen
und Israelis
- Verstärkung des Drucks auf die deutsche und die EU-Politik, damit
diese von Israel die Einhaltung von Völkerrechts- und Menschenrechtsstandards
verlangt
- Beobachten, wo deutsche Firmen von einer völkerrechtswidrigen Praxis
profitieren und Protest dagegen
- Beteiligung am deutschen und am europäischen Sozialforum
- Erstellen eines Arbeitshefts für die Kampagnenarbeit in Deutschland
Die Mauer
Die „Sperranlage“ (separation barrier) ist das größte Bauwerk in der
Geschichte Israels mit geschätzten 2,5 Milliarden Dollar Kosten. Sie
wird etwa 750 Kilometer lang und ist damit doppelt so lang wie die Grenze
zwischen Israel und der Westbank, weil sie sich tief ins Westjordanland
hineinschlängelt. Sie ist 70 Meter breit.
Gebaut wird die Mauer von der Firma Magal Security Systems, zu der ein
Teil von Dornier gehört, dem Rüstungskonzern Elbit Systems (Ortek) und
dem US-Unternehmen Detektion. Die Firmen verwenden eingegrabene Detektoren,
die auf den Druck eines menschlichen Körpers reagieren (360 Detektoren
auf 1 Kilometer), Videoüberwachung und neuesten rasiermesserscharfen
Stacheldraht. Um Jerusalem herum werden Wärmemessgeräte eingesetzt.
Ein großer Teil der „Sperranlage“ hat Panzerstraßen, Gräben und weitere
Zäune auf beiden Seiten des „Sperrzauns“. Auf der Westbank-Seite folgt
videoüberwachtes Sperrgebiet und wieder ein Zaun. Ein anderer Teil der „Sperranlage“ besteht
aus einer acht Meter hohen Betonmauer mit Wachtürmen.
Von den 22 % des ehemaligen Mandatsgebiets Palästina (die anderen 78%
sind israelisches Staatsgebiet), das für einen Palästinenserstaat vorgesehen
ist, nehmen Mauer und mehr als 200 israelische Siedlungen weiter Land.
Knapp 50 % der Fläche der Westbank werden einem zukünftigen Staat Palästina
fehlen, wenn weiter das Recht des Stärkeren gilt und nicht internationales
Recht.
Die Folgen der Mauer für die palästinensische Bevölkerung
Die Mauer macht die ertragreichsten landwirtschaftlichen Gebiete der
Westbank und wichtige Wasserressourcen unzugänglich. Tausende von palästinensischen
BäuerInnen verlieren ihre Lebensgrundlage. Die Abhängigkeit der palästinensischen
Bevölkerung von internationaler Hilfe und israelischen Produkten wird
weiter vertieft.
Offiziell wird das Land, das durch den Mauerbau an Israel fällt, nicht
enteignet. Bereits jetzt zeigt sich jedoch, dass der Zugang durch Tore
in der Mauer so restriktiv und willkürlich gehandhabt wird, dass sich
Landwirtschaft nicht mehr sinnvoll betreiben lässt. Mittlerweile wird
offen mit der Annexion dieser Landstriche gedroht.
Etliche Dörfer mit über 200.000 EinwohnerInnen verbleiben zwischen Mauer
und Grüner Linie. Sie sind so von den Märkten und der Infrastruktur der
West Bank abgeschnitten, ohne dafür Zugang zu Israel zu erhalten. Ihre
Zukunft ist völlig ungewiss.
Neben den wirtschaftlichen Folgen sind vor allem die Auswirkungen auf
das Bildungssystem und die Gesundheitsversorgung dramatisch, da die ländlichen
Gemeinden von einander und von ihren städtischen Zentren isoliert werden.
Die Mauer entzieht vielen PalästinenserInnen ihre Lebensgrundlage und
zwingt sie zur Abwanderung aus der Mauerregion – die Mauer führt so zu
einer schleichenden ethnischen Säuberung. Die Mauer ist die Fortsetzung
der Politik der Landnahme durch Siedlungsbau und der Einschränkung der
palästinensischen Bewegungsfreiheit durch Abriegelungen, Straßenblockaden
und Ausgangssperren. Sie verfestigt ein System von kleinen palästinensischen
Enklaven und erinnert damit an die südafrikanischen Bantustans.
Die Mauer verletzt das Völkerrecht
Die israelische Regierung begründet den Mauerbau mit dem in der UN-Charta
verankerten Recht auf Selbstverteidigung. Der Internationale Gerichtshof
hat dieser Rechtsauffassung nicht zugestimmt. Mit 14 zu einer Stimme
stellten die Richter fest, dass der Verlauf der Mauer nicht rechtmäßig
ist. Die UN-Generalversammlung hat das Gutachten bestätigt.
Das Gutachten zu den Rechtsfolgen des Mauerbaus im besetzten palästinensischen
Gebiet vom 9. Juli 2004 gibt der Kampagne gegen die Mauer Recht. Die
Haager Richter haben bestätigt, dass Israel als Besatzungsmacht an das
humanitäre Völkerrecht und an die Standards der beiden Menschenrechtspakte
gebunden ist. Auch und gerade wegen seines legitimen Sicherheitsanliegens – so
das Gutachten – ist Israel an die Vierte Genfer Konvention gebunden.
Die Richter folgern daraus, dass Israels Mauerbau in besetztem Gebiet
eine Völkerrechtsverletzung darstellt.
Zur Beendigung des Rechtsverstoßes hält der Gerichtshof drei Maßnahmen
für notwendig: (a) die Beendigung des Mauerbaus, (b) den Abbau der bestehenden
Baukonstruktion und (c) die Aufhebung von Rechtssetzungsakten im Zusammenhang
mit dem Mauerbau. Zudem stellt das Gutachten fest, dass Israel Entschädigung
für entstandene Schäden leisten muss.
Der IGH betont aber auch die Völkerrechtspflichten der internationalen
Gemeinschaft. Alle Staaten sind nach dem Gutachten verpflichtet, keine
finanzielle Unterstützung zu leisten, die diese rechtswidrige Situation
aufrechterhalten könnte. Der Gerichtshof unterstreicht, dass darüber
hinaus die Vertragsparteien der Vierten Genfer Konvention durchsetzen
müssen, dass Israel das humanitäre Völkerrecht einhält. (Website des
Internationalen Gerichtshofs in Den Haag siehe http://www.icj-cij.org/)
Organisation der Kampagne und des Koordinationskreises
Im Anschluss an die internationale Konferenz „Stop the Wall” in Köln
wurde beschlossen, einen bundesweiten Koordinationskreis zu bilden. Dieser
konstituierte sich am 11. Juli 2004 in Frankfurt. Die Kampagne gab sich
den Namen „Stoppt die Mauer in Palästina / Für einen gerechten Frieden
in Palästina und Israel“.
Schwerpunkt der Arbeit des Koordinationskreises ist die Mauer in Palästina.
Gleichzeitig richten sich die Aktivitäten gegen die israelische Besatzung
als das dahinter stehende Hauptproblem.
Die inhaltliche Basis für die Arbeit der Kampagne bildet die Kölner
Erklärung und die Abschlusserklärung
der Kölner Konferenz.
Für die laufende Arbeit wurde ein Spendenkonto eingerichtet:
IPPNW
Kto.-Nr. 600 42 355
Stichwort „Mauerkampagne“
Sparkasse Rastatt-Gernsbach
BLZ 665 500 70
Die Treffen des Koordinationskreises sind offen für Interessierte aus
den Unterstützerorganisationen. Einladungen und Protokolle gehen an alle
Unterstützerorganisationen.
In einigen Regionen haben sich regionale Kampagnenzusammenschlüsse gebildet.
Sie sollen ebenfalls im Koordinationskreis vertreten sein.
|